Gestern vor zwei Wochen bin ich wieder in Deutschland gelandet. Nach 2,5 Wochen auf einem anderen Kontinent, mit 7h Zeitverschiebung und unglaublichen Erlebnissen, kam ich zurück in ein Land, welches ich meine Heimat nenne, mir im ersten Moment jedoch sehr fremd vorkam.

Mein neuer erster Eindruck von Deutschland, als ich aus dem Flieger gestiegen bin, war für mich tatsächlich sehr enttäuschend. Natürlich habe ich mich auf meine Familie, eine konstante warme Dusche und Nudeln gefreut, doch gleichzeitig wäre ich gerne sofort wieder zurück geflogen und das nicht um dort nur eine Woche Urlaub dran zu hängen. Was es heißt zu leben durfte ich dort in Costa Rica ganz neu entdecken und das begann unmittelbar nachdem wir das Flugzeug am Airport in San José verlassen haben. Warmherzige Menschen begrüßten uns mitten in der Nacht, während in Deutschland jeder um diese Uhrzeit, versucht hätte, die Meute an reisenden Menschen schnellstmöglich aus dem Flugzeug zu bekommen. In Costa Rica nicht. Dort wird man warmherzig und freundlich begrüßt. Die Verkäufer der Autovermietungen und Shops packen lieber mit an, wenn der schwere Koffer vom Gepäckwagen fällt, als dass sie dir irgendetwas aufschwätzen wollen. Genau das war es, was wir als 15-köpfiges Filmteam in der Schweiz der Latinos immer wieder erleben durften. Ich erinnere mich an einen der Mitarbeiter im Hotel. Ich schätze er war in meinem Alter. Dieser junge Mann kümmerte sich mitten in der Nacht um uns, verteilte die Zimmerschlüssel, führte uns zu unseren Zimmern, fragte, ob wir noch was brauchten und das ohne das man nur einmal den Eindruck bekam er tut es weil es sein Job ist. Man spürte, dass es ihm wirklich ein Anliegen war sich um unsere Wohl zu kümmern, gerade nach einem langen Flug und um diese Uhrzeit. Eine Woche blieben wir in diesem Hotel in Alajuela. Die Anlage ist ein wortwörtliches Paradies. Schätzungsweise 25 Zimmer haben sie dort, die meiste Fläche auf dem Areal ist Grünanlage. Palmen, Wiese, ein kleiner Bach, Baumgruppen die einen erahnen lassen, wie es im Dschungel sein muss und eine farbenfrohe Blumenpracht. All das direkt vor der Zimmertüre. Jeden Abend freuten wir uns nach der abgedrehten Episode in das Hotel zurück zu kehren. Vielleicht auch ein wenig wegen dem köstlichen Essen. Jeden Abend gab es ein neues sehr leckeres 3 Gänge Menü, eine große Obstplatte und einen selbstgemachten Saft oder Limonade. Auch dem Besitzer war es ein Anliegen sich um unser Wohl zu kümmern. Gleich am zweiten Abend durften wir seine freundliche Art noch besser kennen lernen und Freundschaften knüpfen. Er wurde Teil der ersten Episode die gedreht wurde und erklärte unseren Protagonistinnen in einem Realityblock die landestypische Küche. Es fiel uns wirklich schwer nach einer Woche weiter zu reisen. Doch die nächsten Episoden warteten in Monteverde auf uns. Bis es soweit war, machten wir jedoch noch einen Zwischenstopp bei einem Dogsshelter.

In Costa Rica sind Zoos verboten. Zuerst war ich verwundert und verstand es nicht ganz, da ich mir die exotischen Tiere in der Wilhelma eigentlich immer ganz gerne angeschaut habe. Doch im Laufe der zwei Wochen verstand ich immer mehr den Sinn und bin froh eine neue Perspektive bekommen zu haben. Dass Tiere nicht dazu geboren sind in Gefangenschaft zu leben ist klar, doch so wirklich realisieren kann man das meiner Meinung erst dann, wenn man diese Tiere einmal in freier Wildbahn gesehen hat. Statt Zoos gibt es in Costa Rica Rescuecenter und Animalshelter. Wenn man sich diese Anlagen anschaut, könnte man meinen, man habe die Anlagen einfach von Zoo in Rescuecenter umbenannt. Allerdings ist das in der Regel zum Glück nicht der Fall. In Costa Rica wurde vor Jahren die Entscheidung für Bildung und Naturschutz, statt Technologie und Infrastruktur getroffen. Das heißt neben einer meist gut gebildeten Bevölkerung, findet man in Costa Rica vorallem eins: Ein Land mit einer Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen, welche man nur sehr sehr selten findet. Äffchen, Tucans, Faultiere, Echsen, Schmetterlinge, Gürteltiere und Schlangen, das ist nur eine kleine Auswahl an Tieren, die wir in freier Wildbahn auf unsere Reise gesehen haben. Wie viele andere es noch gibt, sieht man wenn man die Rescuecenter besucht, denn dort wo Mensch und Tier so nah beieinander leben, passieren immer wieder traurige Unfälle oder böse Verbrechen. Ein Papagei als Haustier, ein Äffchen als Touristenattraktion, ein unerfahrenes Faultier, welches sich an einer Stromleitung entlang hangeln möchte und verstümmelt oder der klassische Wildunfall. All das sind Gründe, warum Tiere von der Regierung oder der Bevölkerung zu einem Rescuecenter gebracht werden. Tiere die ohne Hilfe nicht überleben können oder überlebt hätten, werden dort aufgepäppelt, gepflegt und wenn es möglich ist wieder ausgewildert. Insgesamt haben wir glaube ich 5 oder 6 verschiedene Rescuecenter besucht, um dort eine Episode unserer Naturdoku/reality Serie zu drehen. Wir haben die drei Frauen begleitet, wie sie die Geschichten der hilflosen Tiere erfahren. Natürlich haben auch wie als Crew dadurch erfahren, was die Tiere bis zum heutigen Tage durch gemacht haben. Da hatte man nicht nur einmal einen Klos im Hals oder kämpfte gegen die Tränen. Der einzige Trost ist, dass es für fast alle dieser Tiere ein Happy End gibt. Für die drei kleinen Spidermonkeys, die wir kennen gelernt haben heißt dieses Happy End in 1 Jahr wieder ausgewildert zu werden. Für eine Kapuzinerdame ist dieses Happy End, nach mehreren Jahren das erste Mal einen Artgenossen zu treffen und keine Kette mehr um den Hals zu haben. Drei kleine Faultiere, die vom Bauch ihre Mutter gefallen waren, wurden gerettet und können nun in einem diese Center weiterleben. Die Quote der ausgewilderten Tiere schwankt stark je nach Art. Verletzte Tiere wie der rote Ara, dessen Kiefer durch menschliche Gewalt eine Fehlstellung hat, wird ohne Hilfe in der freien Wildbahn nicht überleben können, viele seiner Artgenossen in der großen Rundvoliere (200m Umfang) werden allerdings bald ausgewildert werden können. Auch viele Äffchen werden den Sprung zurück in den Dschungel schaffen. Die Chance das ein Faultier jemals ausgewildert werden kann, geht aktuell jedoch gegen 0. Wir Menschen wissen zu wenig über diese Art, als dass wir den Tieren die komplizierte Ernährung eines Faultieres beibringen könnten, oder das Klettern und Hängen in 30m Höhe in der Krone eines Baumes. Alle Tiere, die die Chance haben ausgewildert zu werden, werden fern ab vom Touristenstrom trainiert und gepflegt. Der Kontakt zu Menschen soll so gering wie möglich sein. Nur die Tiere, die keinen Chance mehr haben in den Dschungel zurück zu kehren sind in den Centern für die Besucher zu sehen. Erschreckender Weise sind es viel zu viel. Allerdings war ich sehr oft von der Größe der Gehege dort verwundert und freute mich gleichzeitig, das Vögel dort wirklich noch fliegen können, und Affen wirklich noch klettern, springen und spielen können. Wir als Team waren beeindruckt mit welcher Energie und Verantwortung eine Vielzahl der Tierpfleger dort arbeitet und da es uns selbst ein Anliegen war, die Tiere nicht unnötig zu stressen wurde auch unser vorsichtiges Verhalten in der Nähe der Tiere von den verschiedenen Centern hoch geachtet. Das hat uns sehr gefreut und viele Privilegien ermöglicht, sodass beispielsweise Bereiche der Center für unsere Dreharbeiten geschlossen wurden. Dadurch hat wir oft viel mehr Zeit und Ruhe als gedacht.

Ein Highlight für alle von unser war der vorhin schon erwähnte Dogsshelter. Man stelle sich einmal vor, dass ca. 500 Hunde auf einmal über einen staubigen Platz rennen, danach im Wald verschwinden, den Berg hoch rasen und oben in Seelenfrieden die frische Luft genießen. Das glaubst du nicht? Dann rate ich dir: Geh selbst dort hin und lass dich selbst überzeugen! Was es bedeutet, dass Tiere nicht für Gefangenschaft geboren sind, habe ich dort hautnah erleben dürfen! Es ist ein unglaubliches Erlebnis und ich bin unglaublich dankbar, dass ich dieses und noch viel andere Erlebnisse durch meinen Job erleben konnte. Seid gespannt, es kommt noch mehr!

 

Cheers, Simon

 

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Equipment mit dem wir gedreht und photographiert haben:

Kameras:

Sony a7r II*

Sony a7s II*

Canon 7D II*

Sony FS7*

Objektive:

Sony 70-200mm/2.8*

Sony 24-70mm/4*

Nikon 200-500mm/5.6*

Canon Optiken an die ich mich nicht erinnere 😉

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DIE LINKS MIT DEM KLEINEN * AM ENDE SIND SOGENANNTE “AFFILIATE LINKS”. BEI DIESEN BEKOMME ICH EINE PROVISION FÜR JEDEN KAUF. FÜR EUCH ENTSTEHEN DADURCH NATÜRLICH KEINE MEHRKOSTEN. IHR DÜRFT DIE PRODUKTE ABER SELBSTVERSTÄNDLICH AUCH WO ANDERS KAUFEN.