Wie schnelllebig die Zeit hier doch ist, der Kalender ist voll, 3 Projekte nach Costa Rica sind schon wieder abgedreht, zwei davon schon aus der PostPro raus und nächste Woche wird das 4 Projekt gedreht.

Animal Encounters ist eine Realityshow/Naturdoku, die drei Frauen auf ihrer Reise durch die Natur begleitet. Zu deutsch heißt die Sendung Meine tierischen Begegnungen, deren erste Staffel bereits vor einigen Jahren gedreht wurde. Es müsste um 2008 herum gewesen sein, wenn ich mich richtig erinnere. Auf Amazon Prime und YouTube findet man die erste Staffel zum anschauen in deutsch und englisch. In diesem Jahr wurde also die zweite Staffel gedreht, doch die Planung dafür begann schon vor rund 4 Jahren. 2014 war unsere Producer auf Locationscouting, doch bis die Finanzierung und Besetzung der zweiten Staffel klar war, vergingen 3 Jahre. Schlussendlich trafen sich 12 Crewmitglieder und 3 Protagonisten aus 9 Ländern in einem wunderschönen Hotel in Alajuela, um die Dreharbeiten zu beginnen. Mit dabei waren 4 Kameraleute (aus Deutschland und den USA), ein Regisseur (gebürtiger Argentinier, lebte zeitweise in Costa Rica, nun ansässig in Deutschland), eine Regieassistentin (gebürtige Mexicanerin, lebte zeitweise in USA und Costa Rica, nun ansässig in Mexico), unsere Producer (gebürtiger Südafrikaner, nun ansässig in den USA), ein Kameraassistent (Mexicaner), ein Tonmann (gebürtiger Chilene, nun ansässig in Uruguay, bald USA), 2 Locals (Costa Rica), eine für Making Of (Mexico glaube ich) und 3 Protagonistinnen (eine Deutsche, eine Mexicanerin und eine gebürtige Brasilianerin, zeitweise wohnhaft in Südafrika, nun ansässig in den USA).

Genauso wie die Personen, kam auch unser Equipment aus aller Welt, denn die Produktion ist kirchlich organisiert und so wurden von allen Medienhäusern der Kirche aus aller Welt Equipment zusammen gesucht. Eine Kamera aus Südafrika, mehrere Kameras aus den USA und Deutschland, Tonequipment aus Uruguay und Deutschland, Zubehör und Kleinteile von überall, glaubt mir bis das alles durch den Zoll war…

Viele der Crewmitglieder kannten sich bis zum tatsächlichen Beginn der Dreharbeiten überhaupt nicht, geschweige denn, dass alle auf englisch kommunizieren konnten. Es galt also einige Hürden zu überwinden, doch da wir alle super gespannt auf die Produktion, die Erlebnisse und ich vorallem auch auf den internationalen Aspekt der Produktion, entwickelten wir sehr schnell eine funktionierende und entspannte Gruppendynamik, die uns durch die 16 Tage trug. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob die Produktion funktioniert hätte, wenn es tatsächlich persönliche Differenzen innerhalb der Crew gegeben hätte. Immerhin waren wir 16 Tage fast rund um die Uhr auf einem Haufen. Egal ob beim Essen, beim drehen, im Auto oder im Hotel. Die ersten Tage waren echt spannend, da man sich erstmal kennen gelernt hat, aber gleichzeitig schon als Team funktionieren und arbeiten sollte. Das war eine super neue Erfahrung die ich nicht missen möchte, gerade weil es gut geklappt hat. Natürlich gab es hier und da Uneinigkeit, zb im Bezug auf Zeitpläne. Latinos haben einfach eine andere Uhrzeit wie wir Deutschen. Da führt kein Weg daran vorbei und manchmal war es eine Geduldsprobe für mich, da mein Beifahrer doch eine sehr südamerikanische Uhr hatte und eher selten der erste war der abfahrtsbreit im oder am Auto war. Wenn so eine ungebunden Lebensart auf einen Deutschen wie mich trifft, der durchaus viel von Pünktlichkeit und Zeitplänen hält. kann es schon interessant und spaßig werden. Ebenso merkte man bald, wer es gewohnt ist im Team zu arbeiten oder die meiste Zeit als One Man Show unterwegs ist. Sehr viele von uns sind Freelancer oder innerhalb ihrer Festanstellung oft allein unterwegs. Es hat uns zu keinen größeren Problemen geführt, aber es zeigt sich doch immer wieder und es ist interessant zu beobachten wie sich auch die Arbeitsmentalität aus verschiedenen Ländern auswirkt. Es spannende Erfahrung, die sehr wertvoll ist!

Genug zur internationalen Crew, dazu wird es demnächst noch anderweitig Möglichkeit geben zu berichten 😉

Wie ich gehört habe interessiert einige unsere technische Ausstattung, auch hier möchte ich einen kleinen Einblick geben. Das Konzept sah vor, das unsere 3 Protagonistinnen verschiedene Blocks innerhalb der Sendung haben. So gibt es beispielsweiße einen Monologteil, der Introspektivblock, in dem Gedanken geäußert werden, unterlegt mit SlowMotion. Ebenso gibt es auch einen Realityblock, bei dem die Protagonistinnen etwas erleben. Es ist nichts gestellt oder ähnliches. Zusätzlich brauchen wir gute B-Rolls von der Natur und den Tieren etc. Wir hatten also verschiedenen Settings die bedient werden mussten. Folgende Technik stand uns zur Verfügung.

Unser DoP hatte fast immer die FS7 am Start, er nahm SlowMotions auf und nutze die FS7 als Run and Gun Kamera, die Kitoptik leistete dabei zuverlässig ihren Dienst. Einzig der Fakt, dass man bei der Kitoptik nur eine max. Brennweite von 135mm hat war etwas ungeschickt, hin und wieder wären mehr deutlich von Vorteil gewesen. 2 der 3 a7s II waren im Dauereinsatz. Als zweiter Kameramann hat ich eine davon, mit dem 70-200/2.8 vorne drauf. Im Rucksack hatte ich noch die 28mm Optik, doch da unsere dritte Kamera mit einem 24-70mm Objektiv bestück war, verzichtet ich die komplette Drehzeit drauf meine Optik zu wechseln. So war die Telezoomoptik mein Standartobjektiv. Ich war zuständig während den Realityblocks den Ranger aufzunehmen, der den drei Frauen etwas zeigte oder erklärte und ich sammelte noch einiges an B-Rolls an den Location. Am Eindrücklichsten dabei war meine Begegnung mit dem Tucan im Rescuecenter Zooave. Der Tucan ist weltbekannt, denn ihm fehlt der obere Teil seines Schnabels. Seine Prothese hat er nun das zweite Mal schon verloren und dadurch ist er super gestresst und unruhig, vorallem wenn viele Menschen in seiner Nähe sind. Aus diesem Grund, ist er in der Klinik und von den Parkbesuchern abgeschirmt. Wir entschieden uns, dass nur ich als Kameramann zu ihm gehe. Insgesamt verbrachte ich mit ihm ca. 45min meiner Zeit. Anfänglich wär er tatsächlich sehr unruhig und hüpfte von einem Ast auf den anderen. Ich stand nur da. Ich sprach ihn nicht an, ließ meine Kamera auf der Seite, ich stand nur da und beobachtete ihn. Irgendwann begann er zu essen. Dabei chippte er das Essen mit der unteren Hälfte seines Schnabels in die Luft und fieg es dann auf. Es war wirklich beeindruckend zu sehen wie dieser Vogel, welcher durch Menschenhand so zugerichtet wurde, sich mit seinem Handicap arrangiert. Es dauerte ca. 15 Minuten, bis der Tucan ruhiger wurde. Er setzte sich auf die Äste am Zaun, er beäugte mich neugierig und gleichzeitig vorsichtig. Ich nahm langsam meine Kamera und begann den Tucan zu filmen. Etwas skeptisch sprang der Tucan zurück doch nach weiteren 10 Minuten hatte er auch mit meiner Kamera kein Problem mehr und wurde ruhig, sodass ich, so gut es ging, durch den Zaun Aufnahmen machen konnte. Das war wirklich ein sehr beindruckendes Erlebnis, in welch kurzer Zeit man eine Art Beziehung zu einem Tier aufbauen kann. Es tat schon fast weh ihn mit seinem verletzten Schnabel zu sehn und ich schämte mich wozu wir Menschen fähig sind, wenn wir “Spaß“ haben wollen. Umso mehr habe ich mich über jeden freien Tucan gefreut, den ich im Laufe unsere Reise gesehen habe. Dann merkt man was Leben heißt. Nicht nur für den Menschen, sondern besonders auch für die Tiere.

Die Sony a7r II wurde für Closeups und B-Roll von unseren 4. Kameramann genutzt. Er ist durch seine jahrelange Naturdokuarbeit sehr erfahren und hat die nötige Geduld und das Feingefühl im Umgang mit der Natur und den Tieren. Er hat wirklich sehr starke Bilder für uns aufgenommen! Unterwegs war er mit einer großen Zoomoptik bis 500mm. Die a7r II kann bei 4K auch mit dem APS-C Crop arbeiten, was aus seinem 500mm fast schon ein Teleskop gemacht hat, das war wirklich wertvoll für die Produktion.

Zu unseren Drohnen gibt es mehrere Geschichten zu erzählen. Zu Beginn waren es auf jedenfall nur zwei und keine drei, wobei es eher 2,5 statt drei waren.

Unsere Mavic war in der Obhut unsere Producers, dass war ziemlich geschickt, so mussten wir Kameraleute uns nicht um die Drohenshots kümmern.

So sehr die Mavic gelobt wird, gegen Wind hat sie einfach kaum eine Chance. Das kleine Packmaß, die einklappbaren Arme, die gute Bildqualität sind tolle Features, doch eben Consumerfeatures. Direkt am ersten Tag, es war der zweite oder dritte Flug. Ich hörte irgendwann nur noch einen Schrei „Oh no, the drone!“ Da war sie plötzlich weg. In der seitwärts Bewegung von einer Windböhe erfasst und irgendwo in den Busch getragen. Da wir an einem Wasserfall drehten, war die erste Befürchtung, dass die Mavic baden gegangen ist, doch die Drohne war noch an und lieferte auch ein GPS Signal. So ging unser Producer los mit der App als Landkarte und suchte die kleine graue Drohne in den Büschen. Nach gut 1,5h gesellte sich unser DoP dazu und fragte, was denn gesucht wird. Nach der kurzen Antwort „The drone“, blickte er sich um und griff nach der Drohne, die unten in der Wiese neben dem Busch lag. Eine riesen Erleichterung für unseren Producer. Alles geht, die Drohne ist wieder da. Kein Verlust am ersten Tag, zumindest bis der DoP ein wenig später das zweite mal zu unserem Producer ging und ihm eine verstümmelte GoPro präsentierte. „It just fell off the car and we drove over it“. Etwas zerknirscht erzählte er uns, wie die GoPro vom Auto fiel, sie es nicht bemerkten und erst realisierten was passiert war, als ein Passant wild mit den Armen wedelte. Der vermeintliche Stein über den sie gefahren waren, war eine nagelneue GoPro 5 die gerade ihre Jungfernfahrt erlebt hatte. Es wurde ihre letzte Fahrt.

Equipment bei solch einer umfangreichen und großen Produktion ist immer ein heikles Thema. Budget, Workflow, Features. Es ist ein für und wieder und oft muss man das nehmen was am wenigstens Kosten verursacht. Eine a7s II ist mit Sicherheit keine optimale Dokukamera, das durften wir in Costa Rica erleben. Wenn man sich jedoch einen Workflow erarbeitet, kann man auch damit eine ordentliche Reality/Dokuproduktion umsetzen. Ein Vorteil dabei war aber tatsächlich die Anzahl an Optiken und Kameras die uns zur Verfügung standen, denn so konnten wir testen und aussortieren.

Soweit für heute…

 

Cheers, Simon

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DIE LINKS MIT DEM KLEINEN * AM ENDE SIND SOGENANNTE “AFFILIATE LINKS”. BEI DIESEN BEKOMME ICH EINE PROVISION FÜR JEDEN KAUF. FÜR EUCH ENTSTEHEN DADURCH NATÜRLICH KEINE MEHRKOSTEN. IHR DÜRFT DIE PRODUKTE ABER SELBSTVERSTÄNDLICH AUCH WO ANDERS KAUFEN.