Eine Frage die jeden Einsteiger in den Filmbereich interessiert ist: „Welche Kamera soll ich kaufen?“ Heute schauen wir uns verschiedene Systeme an und finden heraus welche Kamera die Beste ist!

Kameras kann man kategorisieren nach Systemart, nach dem Preis, nach Qualität und wenn man darüber nachdenkt fallen einem bestimmt noch einige Aspekte mehr ein. Prinzipiell gilt für den Filmemacher: Die Beste Kamera ist die, welche du gerade zur Verfügung hast.

Wenn es dein Smartphone ist, dann die Kamera deines Smartphones, wenn es der alte Camcorder von Onkel Manfred ist, dann der alte Camcorder von Onkel Manfred. In diesem Fall gilt es einfach mal anzufangen mit Filmen, bis man die Möglichkeit hat sich eine andere Kamera zu organisieren oder zu kaufen.

Doch was ist dann wirklich wichtig an einer Kamera? Die Auswahl der Kamera ist eine sehr individuelle Sache. Wichtige Faktoren sind dabei natürlich das vorhandene Budget, die gewünschte Qualität oder für manche auch das Aussehen. Man sollte jedoch zu aller erst einmal nach dem Einsatzgebiet Fragen. Bin ich ein Naturfilmer? Mache ich Reportagen? Produziere ich Musikvideo? Drehe ich Imagefilme oder sogar einen Spielfilm? Mache ich YouTube Videos? Möchte ich Urlaubsvideos oder Familienfilme drehen? Kurz gesagt: Es gibt unzählige Einsatzgebiete und in der Regel ist man als Einsteiger noch nicht auf eines spezialisiert oder man wird es als One-Man-Show nie sein. Wenn das euer Weg ist, sollte man sich bewusst sein, dass es nicht DIE eine Kamera für euch gibt. Wie in jedem anderen Bereich auch, für eine spezielle Anwendung gibt es ein spezielles Gerät. Klar gibt es auch „hybrid“ Modelle, doch man wird nie 100% das erreichen was man möchte, wenn man für jede der verschiedenen Anwendungen ein und die selbe Kamera verwendet.

Wir wollen uns also mal anschauen, welche Kamerasysteme es heutzutage gibt und für was sie gut sind.

 

Der Camcorder:

Mit dem Camcorder wurde der digitale Film auch für den Consumer zugänglich. Die Hobbykamera ist meist nicht größer wie eine bisschen überdimensionierte Faust, hat ein ausklappbares Display und ist relativ handlich für das spontane Filmen. Das bringt uns auch gleich zum Haupteinsatzbereich dieser Kameras. Kameras wie die abgebildete von Sony finden ihrer Anwendung in der Regel auf Reisen, bei einem Familienausflug oder dem Geburtstag von Oma Elfriede. Hier wird spontan ein Moment eingefangen, der für die Ewigkeit festgehalten werden soll, um später eine schöne Erinnerung zu haben. Technisch gesehen ist dafür nicht sehr viel mehr notwendig als ein kleiner Sensor, eine Zoomoptik, die einigermaßen schnell scharf stellt und auch bei wenig Licht noch was sehen kann.

Am besten ist der Codec nicht so Datenintensiv für ein überschaubares Datenhandling und so findet man in der Regel ein recht kleinkomprimiertes H.264 Signal in einem mp4 oder mov Container.

 

Der Hänkelmann:

Wenn man einen Camcorder aufpumpt kommt in etwa ein Hänkelmann dabei heraus. Die Handhabung ist sehr ähnlich. Spontan und schnell sollen Momente oder auch mal ein Interview eingefangen werden. Das Ganze in möglichst fernsehtauglicher Qualität und ausgestattet mit einem hochwertigen Audioeingang und Codec. Benutzt werden diese Kameras in der Regel bei kleinen TV Beträgen von Videojournalisten, oder auf Veranstaltungen für Mitschnitte. Die Kameras sind kompakt aber dennoch groß genug, um etwas in der Hand zu haben. Man kann über XLR ein Mikrofon anschließen und mit einem ordentlichen Codec, a la XAVC, bekommt man ein nahezu vollständig fernsehtaugliches Kamerabild. Deshalb wird diese Kamera wie schon oben erwähnt gerne für kurze TV Beiträge oder auch Reportagen verwendet.

Ebenso findet diese Kamera Verwendung bei Filmclubs, wie bei dem meines Wohnortes. Dort werden ebenfalls kleine journalistische Beiträge über Events und Ausflüge erstellt.

 

Die Schulterkamera:

Die Gute alte EB-Mühle. Bevor die Technik noch nicht so weit war wie heute, wurde für TV grundsätzlich mit einer großen Schulterkamera gedreht. Dort war bessere Technik verbaut, mehr Anschlussmöglichkeiten und eine bessere Handhabung. Ein ordentliches EB Team setzt auch heute noch die großen Schulterkameras auf ihren Drehs ein. Die Bauform hat immer noch den großen Vorteil ein stabiles Bild von der Schulter aus aufnehmen zu können. Allerdings sind die Kameras recht kostspielig und fangen inkl. Optik bei 25.000€ an. Die kleinen Hänkelmänner sind da um einiges günstiger, weswegen sie oft aus Kostengründen präferiert werden.

 

Die Systemkamera:

Bei den Systemkamers unterscheidet man zwischen Spiegelreflexkamers und spiegellosen Kameras. Ausschlaggebend dabei ist, die Möglichkeit die Optik zu wechseln. Angefangen mit der 5D II zog die Videografie in die Bauform einer DSLR ein. Damit entstand ein ganz neuer Zweig in der Branche. Viele Fotografen boten plötzlich Videodienstleistungen an und alle Hobbyfilmer konnten mit nur einer Kamera, sowohl Fotos als auch Videos aufnehmen, was natürlich sehr praktisch ist. Als dann die spiegellosen Systeme den Markt eroberten, wurden die Kameras noch kompakter, teilweise etwas günstiger und leichter. Heutzutage sind diese Geräte nicht mehr wegzudenken. Durch den großen Sensor sind kineastische Bilder möglich, welche einem produzierten Film einen sehr hochwertigen Look geben. Viele One-Man-Shows werden mit solchen Kameras realisiert. Besonders gut geeignet sind die Kameras für spontane Freizeitclips oder Produktionen die günstig aber mit einem hochwertigen Look produziert werden sollen. Dabei ist zu beachten, dass diese Kamera längst nicht so einfach in der Handhabung ist wie ein Camcorder. Oft muss man vieles manuell einstellen und im besten Fall sollte man noch einiges an Zubehör anschaffen, um anständig filmen zu können. Imagefilme, Musikvideos oder Interviews lassen sich damit produzieren, jedoch teilweise mit unnötigen Komplikationen, wie zum Beispiel durch Aufnahmezeitbeschränkungen

 

Die Kinokamera:

Hohe Qualität, hohe Auflösung, viele Daten und viel Zubehör, das zeichnet wohl eine Kinokamera aus. Kameras wie eine Arri Alexa, eine Red Weapon oder eine Sony F65 werden vorrangig bei Spielfilmen und hochwertiger Werbung eingesetzt. Die Sensoren sind noch empfindlicher, die Farbtiefe ist höher und die Datenrate um einiges schneller. Pro Tag kann hier schon mal ein halber Terrabyte Material zusammen kommen. Durch die vielen gespeicherten Informationen gibt es mehr Möglichkeiten in der Postproduktion, gleichzeitig braucht man aber deutlich mehr Zeit beim drehen. Eine Reportage oder ein Urlaubsvideo kann ich mit diesen Kameras nicht empfehlen zu drehen.

 

Im Folgenden möchte ich euch nun 3 Kameragruppen vorstellen, welche für euch als angehende Filmemacher und Hobbyfilmer ggf. interessant sein könnten.

Wer eine Kamera aus der ersten Kategorie sucht, dem empfehle ich statt einem Camcorder die Digital Kamera RX100* von Sony. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Sehr gute Qualität, schneller Autofokus, FullHD Videos und 20MP Fotos und das im ersten Modell der Reihe aktuell schon wie bisschen mehr als 300€. Insgesamt ist die RX100 aktuell in der fünften Version auf dem Markt und hat sich stetig verbessert. Die RX100 V* hat mittlerweile schon 4K Video, 40fache Zeitlupe und eine sehr schnelle Zeissoptik. Der Markt hat sich im Consumer Bereich mehr zu einem Kombigerät entwickelt, also eine Fotokamera mit Videofunktion. Kaum jemand hat noch zwei Geräte dabei, wenn man mittlerweile beides in sehr guter Qualität in einem Gerät bekommen kann. Einzig und allein der Wunsch ein Mikrofon anschließen zu können zählt für mich persönlich in diesem Preissegment, um ggf. zu einem Camcorder zu greifen. Hierbei empfehle ich Camcorder wie die verlinkten von Sony* oder Canon.*

 

Als nächsten habe ich zwei etwas größere Digitalkameras. Sony RX10* und die Lumix DMC-FZ2000*. Beides sind sehr starke Kameras, die noch mehr Möglichkeiten bieten in der filmischen Arbeite als die oben genannten. Die Handhabung ist etwas besser, da sie besser zu halten sind und mehr Knöpfe/Schnellzugriff haben. Besonders hervorzuheben ist dabei die 4:2:2 Fähigkeit der Lumix, welche mehr Farbtiefe ermöglicht.

Die Sony RX10 ist der Lumix gleich auf und hat den brauchbaren Codec XAVC mit an Bord. Beide Kameras haben eine 4K Videoaufzeichnung, SlowMotion und schnellen Autofokus. Unterschiede gibt es bei der Optik, sonytypisch Zeiss oder Leica bei Lumix. Eine Philosophie für sich, ob man Sony oder Lumix mag.

 

Zum Schluss habe ich noch die Sony a7s M2* und die Sony a7r M2* für euch. Beide Kameras sind in großen Teilen identisch. Doch es gibt entscheidende Unterschiede die man bedenken sollte. Wenn dein Ziel ist Fotos und Videos mit einer Kamera zu machen empfehle ich die 7r II, möchtest du wirklich nur Film machen, dann nimm die 7s II. Warum? Die 7s verfügt über 12 MP, welche im Cropmodus auf 5MP schrumpfen. Das heißt, wenn man Fotos mit der 7s machen möchte, dann muss man mit diesen wenigen MP zurecht kommen. Die wenigen Megapixel ermöglichen jedoch eine sehr hohe Lichtempfindlichkeit, was sich durch die sehr hohen und qualitativ hochwertigen ISO Werte bemerkbar macht. Für das Filmen ist das ideal. Dazu noch der Slog 3 und die Kamera ist super für jeden Filmemacher, der ambitioniert in die Materie startet. Doch zum Fotografieren, ziehe ich persönlich die 42MP der 7r II vor und verzichte auf die hohen ISO Werte. Als Filme muss ich dann zwar auch ohne den Slog 3 zurecht kommen und auf den Slog 2 zurück greifen, doch in der Regel ist das für den Verwendungszweck einer solchen Kamera ausreichend. Ebenso eine Frage der Verwendung.

 

Kameras sind eine Sache für sich und bevor man eine kauft, sollte man sich wirklich fragen, welche Verwendung für die Kamera angedacht ist. Ohne dieses Kriterium, kann man einen Testsieger kaufen, der in der Praxis für den Käufer nutzlos ist, wenn der Verwendungszweck ein anderer ist.

Für jeden Filmemacher, der irgendetwas starten möchte gilt: Die beste Kamera ist die, die du gerade zur Verfügung hast.

Cheers, Simon

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Kleine Digitalkameras:

Sony RX100*

Sony RX100 V*

Camcorder:

Sony FDR-AX53*

Canon Legria HF G40*

Große Digitalkameras:

Sony RX10*

Lumix DMC-FZ2000*

Systemkameras:

Sony a7s M2*

Sony a7r M2*

Das Equipment mit dem fotografiert wurde:

Sony a77 (Nachfolger a77 II)*

Sony a7s (Nachfolger a7s II)*

Sony SELP24-105G /4*

Sony SAL35 /1.8*

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DIE LINKS MIT DEM KLEINEN * AM ENDE SIND SOGENANNTE “AFFILIATE LINKS”. BEI DIESEN BEKOMME ICH EINE PROVISION FÜR JEDEN KAUF. FÜR EUCH ENTSTEHEN DADURCH NATÜRLICH KEINE MEHRKOSTEN. IHR DÜRFT DIE PRODUKTE ABER SELBSTVERSTÄNDLICH AUCH WO ANDERS KAUFEN.