Nachdem wir verstanden haben wie das Licht von außerhalb der Kamera auf den Sensor kommt, schauen wir uns heute den ersten von 3 wichtigen Parametern an, um das Licht in der Intensität zu beeinflussen. Auch heute bleiben wir bei der Fotografie, damit wir später unser Wissen auf das Filmen übertragen können, so war es auch als alles Erfunden wurde.

Es geht um die Verschlusszeit. Bei dem Aufbau der Kamera im letzten Post, habe ich ein Bauteil bewusst weggelassen. Es ist der Verschluss der Kamera. Damit meine ich nicht irgendeinen Deckel oder ähnliches, um die Kamera von außen zu zu machen, sondern eine Art Deckel direkt vor dem Sensor. Wir können es uns wie einen Vorhang aus Kunststoff oder sehr dünnem Metall vorstellen.

Dieser Vorhang ist von Anfang an grundsätzlich geschlossen. Das Bild, was wir im Sucher sehen wird bei einer herkömmlichen DSLR über den Spiegel in den Sucher gelenkt ihr erinnert euch? Der Sensor empfängt also im ersten Moment gar kein Licht, da der Verschluss geschlossen ist. Wenn wir nun ein Foto aufnehmen wollen, muss der Verschluss geöffnet werden, sodass Licht auf den Sensor fallen kann. Das passiert in dem Moment, wenn wir den Auslöser unserer Kamera drücken. Das ist übriges nicht nur bei DSLR Kameras so, auch bei kleineren Digitalkameras oder Kompaktkameras gibt es einen Verschluss.

Wozu aber brauchen wir jetzt den Verschluss, bzw. wie beeinflusst er unser Bild? Der Verschluss allein, macht nur auf oder zu. Wichtig ist für uns die Zeit, in der der Verschluss offen ist. Diese Zeit können wir nämlich manuell, mit der sogenannten Verschlusszeit, einstellen.

Um die Auswirkung dessen auf den Punkt zu bringen: Je länger der Verschluss offen bleibt, desto heller das Bild.

Ein Beispiel dazu. Wenn wir unsere Augen für eine Weile schließen und nicht genau wissen wo wir uns befinden, wird es schwer mit nur einem Wimpernschlag unsere Umgebung zu erfassen und zu erkennen was um uns herum ist. In diesem Fall hat das Licht nicht genug Zeit um vollständig in unsere Auge zu gelangen. Das heißt, wir müssen dem Licht mehr Zeit geben, dass wir unsere Umgebung aufnehmen können. Genau so ist es auch mit dem Verschluss der Kamera. Wenn wir dem Licht nicht genug Zeit geben, um auf den Sensor zu gelangen, kann es passieren, dass unser Bild zu dunkel ist.

Noch ein Beispiel. Wir schließen noch einmal unsere Augen. Wenn nun vor uns ein sehr heller Gegenstand ist, zb eine weiße Wand oder die Sonne wird stark reflektiert und wir öffnen nun unsere Augen, werden wir geblendet, wir sehen nur weiß und wir schließen unsere Augen wieder. Hier war das Licht so stark, dass selbst die kurze Zeit zu lang war. Also müssten wir nun unsere Verschlusszeit verkürzen.

Wenn also viel Licht da ist, haben wir eher eine kurze Verschlusszeit, wenn wenig Licht da ist, haben wir eher eine längere Verschlusszeit. Die Verschlusszeit wird in einem Bruch angegeben und bezieht sich immer auf eine Sekunde, zb. 1/25 (ein fünfundzwansigstel Sekunde) oder 1/2000 (ein zweitausendstel einer Sekunde). Je höher die Zahl hinter dem Bruch, desto kürzer die Verschlusszeit.

Die Helligkeit ist ein Punkt auf den die Verschlusszeit eine Auswirkung hat. Ein weiterer Punkt ist die sogenannte Bewegungsunschärfe. Jeder kennt die Nachtaufnahmen einer Stadt, bei der die roten Lichter der Autos sich wie eine Linie durch die Stadt ziehen, oder den eingefrorenen Usain Bolt während seinem Weltrekordsprint.

Doch wie ist das möglich? Alles hat zu tun mit der Bewegung und der Verschlusszeit.

Wenn wir ein Foto aufnehmen, nimmt unser Sensor für die eingestellte Verschlusszeit einen Lichtzustand auf. Dieser Zustand verändert sich, wenn sich beispielsweise ein Objekt (zb Auto) oder ein Mensch sich bewegen. Um das zu verdeutlichen, nehme ich eine beispielhafte Verschlusszeit von 4 Sekunden. Das heißt, 4 Sekunden lang fällt Licht auf unseren Sensor. Um nun ein scharfes Bild zu bekommen, darf sich 4 Sekunden lang nichts innerhalb unseres Bilder bewegen oder verändern.

Schauen uns wie das untenstehende Bild an. Bei dem oberen Bild stand der Transporter 4 Sekunden ohne Bewegung im Bild. Das Bild ist scharf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

QUELLE: EIGENTUM DES SEITENBETREIBERS

Im unteren Bild stand der Transporter zuerst links im Bild und wurde dann schnell in die rechte Bildhälfte geschoben. Sowohl links als auch rechts im Bild sehen wir aber den Hintergrund und den Transporter jeweils halbtransparent. Das hat folgende Ursache: Zu Beginn der 4 Sekunden wurde der Lichtzustand ‚Transporter links’ aufgenommen. Deshalb sehen wir links im Bild den Transporter und rechts den Hintergrund. Dann ändert sich der Lichtzustand plötzlich während der 4 Sekunden und nun wird der Lichtzustand ‚Transporter rechts’ aufgenommen. Diese zwei Zustände überlagern sich. Deshalb sehen wir auf beiden Seiten den Transporter und auf beiden Seiten den Hintergrund. Die Verschlusszeit war so lang, dass verschiede Lichtzustände auf des gleiche Bild aufgenommen werden.

Wenn wir diesen Gedanken nun weiter spielen, sollte es der logische Schluss sein, dass wenn ein Auto, welches nachts durch die Stadt fährt, auf Fotos mit langer Verschlusszeit, einen roten Lichtstreifen hinterlässt. Denn in jedem Bruchteil einer Sekunde ändert sich der Lichtzustand und wird auf ein und das selbe Bild gespeichert. Das überlagert sich und der rote Streifen wird sichtbar.

Als Usain Bolt seinen Weltrekord über 100m rannte, tat er das mit einer Geschwindigkeit von knapp 38km/h. Seine Bewegung ist unfassbar schnell. Wenn wir diese nun einfrieren wollen, also auf einen Lichtzustand reduzieren wollen, müssen wir unsere Verschlusszeit so kurz machen, dass die Bewegung von Usain Bolt in diesem einen Bruchteil, wenn der Verschluss offen ist, nicht sichtbar wird. Hier reden wir dann von Verschlusszeiten von 1/8000 oder schneller.

Wenn wir uns also die Verschlusszeit anschauen, sehen wir, dass wir zum Einen die Helligkeit steuern können, indem wir die Verschlusszeit verlängern oder verkürzen. Gleichzeitig hat dies aber die Auswirkung, dass bei viel oder schneller Bewegung verschiede Zustände aufgenommen werden und das Bild dadurch Unscharf wird. Hier spricht man von Bewegungsunschärfe. Dies kann man künstlerisch einsetzen, im Falle von Usain Bolt oder einfach einem schönen Familienbild wäre diese Unschärfe unschön. Wählt also weise.

Da man mit der Verschlusszeit alleine keine Wunder vollbringen kann, gibt es noch weitere Parameter, die man an der Kamera einstellen kann. Das, und welche Verschlusszeiten für das Filmen wichtig sind, wird demnächst hier beim Bootcamp Film Thema.

Cheers, Simon

 

Literatur zum Thema:

Digitale Fotgrafie, Scott Kelby

Raus aus der Automatik, Bernd Lehnert

Das Equipment mit dem fotografiert wurde:

Sony a77 (Nachfolger a77 II)

Sony a7s (Nachfolger a7s II)

Sony SAL1650 2.8

Walimex 24mm 1.5 EF