Viele Logos von Fotografen beinhalten das Bauteil, um das es heute gehen soll. Es ist eine kreisförmige Öffnung, die durch einzelne Lamellen größer oder kleiner werden kann. Richtig, die die sich schon ein bisschen auskennen beim Thema Kamera, werden es bereits erraten haben. Heute geht es um die Blende!

Die Blende ist der zweite von 3 wichtigen Parametern, welche für die Aufnahme unseres Bildes essentiell ist. Anders als der Verschluss, sitzt die Blende nicht im Kamerabody, sondern im Objektiv. Um genauer zu sein sitzt die Blende zwischen allen den Linsen in unsere Optik.

Nehmen wir zu Anfang wieder unser Auge als Beispiel. Dazu solltet ihr euch vor einen Spiegel stellen. Im Auge seht ihr ziemlich mittig einen schwarzen Punkt. Das ist die Pupille, dadurch fällt das Licht der Umgebung in euer Auge. Um die Pupille herum ist die Iris, entweder in blau, grün, braun oder einer Mischung aus all dem. Anhand der Iris könnt ihr eure Augenfarbe bestimmen, wobei das nichts mit der Kamera zu tun hat. Als erstes macht in dem Zimmer wo ihr seid so viel Licht wir möglich, zur Not nehmt eine Taschenlampe und leuchtet vorsichtig in euer Auge. Beobachtet dabei die Größe eurer Pupille. Macht jetzt genau das Gegenteil. Macht euer Zimmer so dunkel wie möglich und schaut dann, wie sich die Größe eurer Pupille verändert hat. Ihr werdet etwas warten müssen um etwas zu erkennen, bis sich eure Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben.

Was ist euch aufgefallen? Mit Sicherheit war eure Pupille bei dem sehr hellen Licht ganz klein, richtig? Und als ihr euer Zimmer abgedunkelt habt, wurde die Pupille ganz groß.

Überlegen wir einen Moment warum das so sein könnte. Wie vorhin schon erwähnt, fällt durch die Pupille das Umgebungslicht auf die Lichtempfindliche Netzhaut in eurem Auge. Wenn es ganz hell ist, ist die Menge des Lichtes sehr hoch, ggf. zu hoch, sodass ihr im ersten Moment geblendet seid. Diesmal konzentrieren wir uns allerdings nicht auf die Verschlusszeit vom letzten Mal, sondern, auf die Blende. In dem Moment, wenn euer Auge feststellt, dass die Lichtmenge zu groß ist und ihr im schlimmsten Fall erblinden könntet, regelt die Iris die Größer der Pupille sofort runter. Dadurch fällt nur noch ein kleiner Teil des vorhanden Lichtes in euer Auge und ihr könnte alles normal sehen ohne geblendet zu werden. Im Prinzip ist es gleichzeitig ein Schutzmechanismus und ein Regelapperat für eure Sehfähigkeit. Andersherum, wenn nur sehr wenig Licht vorhanden ist, zum Beispiel nachts im Wald oder in eurem dunklen Zimmer, regelt die Iris die Größe der Pupille ziemlich hoch, sodass maximal viel Licht in euer Auge fallen kann und ihr so auch in Dunkelheit etwas erkennen könnt.

In Wirklichkeit verändert sich natürlich nicht direkt die Pupille, sondern die Iris schiebt sich als lichtundurchlässige Schicht vor die Pupille.

Im Grunde haben wir nun schon die Funktionsweise der Blende, auf englisch Iris, verstanden. Die Blende regelt die Lichtmenge, die durch unsere Optik auf den Sensor trifft. Je dunkler die Umgebung, desto weiter offen sollte unsere Blende sein, denn dann kann viel Licht auf unseren Sensor fallen.

Die Blende besteht aus einzelnen Lamellen, welche im geschlossen Zustand übereinander geschoben sind, um so die kreisförmige Öffnung zu verkleinern.

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Wenn die Blende weit offen sein muss, werden die Lamellen auseinander gezogen, sodass die Öffnung größt möglich ist. Je weiter offen die Blende sein kann, desto lichtstärker ist ein Objektiv. Das erkennen wir an dem angeben Blendenwert. Er wird wie folgt angegeben: zb. f/11 oder f/1,4.

Dieser ist etwas verwirren, aber wenn man es einmal verinnerlicht hat, sollte das kein Problem sein. Der Ubersicht wegen, habe ich unten eine direkte Gegenüberstellung.

Große Blendenöffnung = viel Licht = kleiner Blendenwert

Kleine Blendenöffnung = wenig Licht = großer Blendenwert

Also im Prinzip immer das Gegenteil. Von Lichtstarken Optiken reden wir,wenn unsere kleinsten Blendenwerte zwischen f/1,4-2,8 liegen. Oft erkennt man lichtstarke Optiken auch daran, dass der Objektivdurchmesser recht groß ist, hier gibt es aber auch Ausnahmen.

Neben der Verschlusszeit, wissen wir nun also, dass wir auch mit der Blende die Helligkeit unseres Bildes beeinflussen können. Gerade beim Filmen wird dies wichtig sein, dazu aber ein anderes Mal, wenn wir alles in Zusammenhang setzen. Doch so, wie die Verschlusszeit den Nebeneffekt der Bewegungsunschärfe haben kann, so hat auch die Blende einen Nebeneffekt. Eine Veränderung der Blende, hat direkten Einfluss auf die Tiefenschärfen des Bildes.

Was ist die Tiefenschärfe?

Dazu müssen wir etwas räumliche Vorstellung haben.

Von der Kamera aus gesehen hat jedes Objekt eine unterschiedliche Entfernung. Wie auf dem Beispielbild, welches die Objektanordnung im Raum deutlich macht.

Jedes Objekt steht auf einer eigenen räumlichen Ebene, bzw. in einem bestimmten Abstand zur Kamera. Den Fokus unsere Kamera, also den Punkt wo das Bild scharf sein soll, können wir immer nur auf eine dieser Ebenen legen. Im Beispiel wird es immer die Eben 1, mit dem kleinen schwarzen Objektiv sein.

Aufgrund physikalischer und optischer Ursachen, ist jedoch immer ein kleiner Teil vor und hinter der Ebene auch noch im (fast ganz) scharfen Bereich. Dieser Bereich ist durch die Tiefenschärfe benannt und definiert. Je größer die Tiefenschärfe, desto größer der Bereich vor und hinter der eigentlichen Schärfenebene, in dem die Objekte auch noch scharf sind.

Und nun der Zusammenhang zur Blende. Ist die Blende weit geöffnet, also ein kleiner Blendenwert, ist die Tiefenschärfe klein. Ist die Blende weit geschlossen, also ein großer Blendenwert, so ist der Bereich der Tiefenschärfe größer. Das untere Bild verdeutlicht dies.

Die Ursache für die kleine Tiefenschärfe und das daraus folgende Bokeh (die Unschärfen im Hintergrund) ist das sogenannte Streulicht, welche bei einer großen Blendenöffnung größere Chancen hat in die Optik zu gelangen. Durch Reflektionen innerhalb des Linsenapperates kommt es dann zu einer kleineren Tiefenschärfe.

Die Helligkeit und die Tiefenschärfe wird also durch die Blende beeinflusst. Gerade für das filmen sollten wir die Funktionen und Auswirkung der Blende gut kennen.

Wer Lust hat, kann gerne eine solche Blendenreihe, wie ich es als Beispiel gemacht selbst, aufnehmen und mir zuschicken. Gerne poste ich sie dann hier als Beispiel.

Cheers, Simon

 

Literatur zum Thema:

Digitale Fotgrafie, Scott Kelby

Raus aus der Automatik, Bernd Lehnert

Das Equipment mit dem fotografiert wurde:

Sony a77 (Nachfolger a77 II)

Sony a7s (Nachfolger a7s II)

Sony SAL1650 2.8

Sony SAL35 1.8

Walimex 24mm 1.5 EF