Kommen wir zum dritten wichtigen Einstellungsparameter der Kamera, dem sogenannten ISO-Wert. Im Film wird das auf häufig GAIN genannt. Beschrieben wird aber im Prinzip das Gleiche.

Die ISO ist wohl der Parameter, der am schnellsten erklärt ist. Das allerdings heißt nicht, dass wir die ISO vernachlässigen dürfen, denn sie ist ein elementarer Baustein, um unser Bild korrekt und in bester Qualität aufzunehmen.

Zum Verständnis, müssen wir allerdings erst einen groben Überblick über die Funktionsweise eines Kamerasensors haben.

Ein kleiner Ausflug:

1974 bekam der damals weitverbreitete lichtempfindliche 35mm Kleinbildfilm das erste Mal Konkurrenz durch einen digitalen Sensor in einer Kamera. Bis das digitale jedoch massentauglich war, dauerte es zwar noch bis 1990, als die Dycam Model 1 rauskam. Doch ab diesem Zeitpunkt war es möglich, Bilder digital aufzunehmen. Damit eröffnete sich in den Folgejahren ein ganz neuer Bereich der Bildbearbeitung und der Bildaufnahme.

Ausflug ende.

Bereits beim Analogfilm war bekannt, dass die Kunststofffilme, je nach Produktionsart, unterschiedliche Lichtempfindlichkeitswerte haben können. Dieser Wert wurde in ASA oder DIN angegeben. Zufällig im gleichen Jahr wie die erste Digitalkamera, 1974, vereinheitlichte die ‚International Organization for Standartisation’ (kurz ISO), diese Werte. Ab den frühen 80er Jahren, verbreitete sich dieser Begriff dann auch bei den Kameraherstellern. ISO ist also der heute überall bekannte Begriff für Lichtempfindlichkeit in der Fotografie und auch im Film.

Da man, wie bereits erwähnt, beim Analogfilm zwischen verschieden lichtempfindlichen Filmrollen entscheiden konnte, wollte man sich diese Möglichkeit natürlich auch bei der digitalen Fotografie nicht nehmen lassen. Also entwickelte man einen recht einfachen Vorgang, der die Lichtempfindlichkeit des Sensors beeinflusst. Das ist es nämlich, um was es bei der ISO Einstellung der Kamera geht, man beeinflusst die Lichtempfindlichkeit des Sensors.

Ein Sensor ist im Grunde nichts anderes wie eine Ansammlung von mini kleinen lichtempfindlichen Dioden. Diese Dioden können Lichtinformationen aufnehmen und weiterleiten, solange sie mit Storm versorgt werden. Nun kommt der springende Punkt. Je mehr Strom durch den Sensor fließt, desto höher wird die Lichtempfindlichkeit des Sensors.

Ein Beispiel: Jeder hat schon mal eine Glühbirne gesehen. (Oder gibt es jetzt nur noch Energiesparlampen?) Wenn man vor die Glühbirne einen Dimmer schaltet und langsam den Strom abdreht, wird die Glühbirne immer dunkler. Andersherum, wenn man immer mehr Strom, bzw. eine höhere Spannung, anlegt, desto heller leuchtet die Glühbirne, bis irgendwann der Brenner geräuschvoll explodiert. Bis auf die geräuschvolle Explosion, funktioniert das bei einem Sensor sehr ähnlich. Verringern wir die angelegte Spannung am Sensor, verringert sich auch die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Erhöhen wir die Spannung am Sensor, erhöht sich auch die Lichtempfindlichkeit.

Fordern wir von unserer Kamera/Sensor also einen ISO Wert von 1000 statt 320, schickt die Kamera mehr Strom durch den Sensor und unser Bild kann heller werden. Wenn also Verschlusszeit und Blende am Ende sind, haben wir immer noch die ISO. Doch aufgepasst! Wie die Verschlusszeit und die Blende, hat auch die ISO einen Nebeneffekt, welchen wir nicht ausblenden dürfen. Wenn wir zu viel Strom in die Glühbirne schicken, wird der Glühdraht so heiß, dass er irgendwann den Geist aufgibt. Auch der Sensor ist hitzeempfindlich. Wenn es wirklich schlimm ist, kann der Sensor ebenso den Geist aufgeben, doch dafür hat die Kamera in der Regel einen Schutzmechanismus und schaltet sich zum abkühlen aus. Bis es soweit kommt, kann aber trotzdem einiges passieren mit unserem Bild. Erhöht sich der Strom, der durch den Sensor fließt, erhitzt sich der Sensor. Durch die Hitze kann es sein, dass der Sensor stellenweise unsaubere oder falsche Informationen aufnimmt und weitergibt. Eine Fotodiode kann beispielweise die Information des Nachbars „kopieren“ und wenn das ein paar Dioden nebeneinander machen, dann nennt man das Artefakt und es sieht auf unserem Bild aus, wie ein undefinierter Pixelklumpen. Die zweite Möglichkeit ist, die Diode weiß gar nicht so recht was sie machen soll und speichert einen Informationsmatsch, also quasi von allem ein bisschen. Das sehen wir dann auf unserer Aufnahme als sogenanntes Bildrauschen. Im Klartext heißt das: Wenn ich es mit der ISO übertreibe leidet meine Bildqualität!

Unten im Bild seht ihr dazu ein schönes Beispiel.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Interessant ist, dass jede Kamera diese Bildfehler verschieden gut kompensieren kann und jeder Sensor verschieden viel davon produziert. Früher war Canon sehr weit vorne, wenn es darum ging möglichst wenig Rauschen bei hohen ISO Werten zu haben. Mittlerweile wurde Canon aber von Sony abgelöst. Mit der a7 Reihe hat Sony ein neues Zeitalter der ISO Werte eingeleitet. Wo damals noch ISO 1200 für Pixelschnee gesorgt hat, sind heute akzeptable Bilder bei ISO Werten bis 24000 oder mehr möglich.

Der ISO Wert ist also ein Notnagel für uns, wenn unser Bild, bzw unsere Umgebung viel zu Dunkel ist, um das Bild heller zu bekommen. Allerdings müssen wir aufpassen, dass wir es nicht übertreiben, um die Bildqualität zu erhalten. Ich vergleiche das gerne mit einer digitalen Bildaufhellung. Wenn man in Photoshop die Helligkeit eines Bildes hochdreht, kommt nämlich der gleiche Effekt zum Vorschein und das Bild wird rauschig.

 

Cheers, Simon

 

Literatur zum Thema:

Digitale Fotgrafie, Scott Kelby

Raus aus der Automatik, Bernd Lehnert

Das Equipment mit dem fotografiert wurde:

Sony a77 (Nachfolger a77 II)

Sony a7s (Nachfolger a7s II)

Sony SAL1650 2.8

Walimex 24mm 1.5 EF