Nachdem wir die Belichtungszeit, die Blende und den ISO-Wert beleuchtet haben, wird es nun Zeit alles in Zusammenhang zusetzen. Wer in der Zwischenzeit schon ein wenig mit seiner Kamera getüftelt hat, wird schnell gemerkt haben, dass wir uns nicht nur auf einen der 3 Parameter konzentrieren dürfen. Für ein korrekt Belichtetes Bild, ist die richtige Einstellung aller drei Parameter wichtig, vergessen wir einen, kann dieser unser Bild unschön beeinflussen.

Ich gehe dabei immer folgender Maßen vor:

Zuerst stelle ich mir im Kopf die Frage, welche Situation ich gerade fotografieren möchte. Ist es Sport, wie zb Fußball oder Turnen, bei dem es schnelle Bewegungen gibt, lege ich meine Priorität auf eine schnelle Verschlusszeit, sodass ich eine Bewegung einfrieren kann. Bleiben wir bei diesem Beispiel. Eine Turnerin zeigt eine Kür am Barren. Um das Salto einfangen zu können, wähle ich die Verschlusszeit von 1/250. Die zweite Frage ist: Inwiefern möchte ich die Turnerin freistellen, also wie viel oder wenig Tiefenschärfe möchte ich in meinem Bild haben. Hier wähle ich eine Blende 4, da ich im Hintergrund sehr gerne noch die Zuschauer sehen möchte. Wenn ich nun feststelle, dass mein Bild durch die kurze Verschlusszeit und die etwas geschlossenere Blende zu dunkel ist, habe ich 3 Möglichkeiten hier nach zu regeln. Die Verschlusszeit kann ich länger machen, dadurch würde aber mehr Bewegungsunschärfe zu sehen sein. In diesem Fall ein No Go. Mein zweiter Punkt ist die Blende, wenn ich diese weiter öffne, verliere ich Tiefenschärfe und die Zuschauer würden weiter verschwimmen. Meine letzte Möglichkeit ist der ISO Wert. Hier kann ich noch viel Helligkeit dazu holen, verliere aber gleichzeitig etwas an Bildqualität. Nun ist es wichtig die eigene Kamera zu kennen. Bis zu welchem Wert ist das Rauschverhalten des Sensors bei hohen ISO-Werten aktzeptabel? Bei meiner Sony a77* ist das ungefähr 1200ISO, bei meiner Sony a7s* liegt er bei knapp 25000ISO, falls dieser Wert nicht ausreicht, muss ich bei der Blende einen Kompromiss finden, da ich lieber weniger Tiefenschärfe als eine schlechte Qualität haben möchte. Jeder dieser Gedankengänge sollte bei der Aufnahme eines Bildes durchgespielt werden. Wenn ich nämlich eine schöne Blume bei Sonnenschein fotografiere, oder ein Portrait, verrückt die Priorität ggf. von Verschlusszeit auf die Blende mit der dazugehörigen Tiefenschärfe, die bei einem „Beautyshot“ möglichst klein sein soll.

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Bei der Fotografie sind diese 3 Parameter eine Kunst für sich, da haben wir es beim Film etwas leichter! 😉

Auch beim Film haben wir allee 3 Parameter, doch ein Wert ist beim Film in der Regel fix. Die Verschlusszeit. Der Wert der Verschlusszeit hängt immer mit der gewählten Framerate zusammen. Die Framerate gibt an, mit wie vielen Bildern pro Sekunde der Film aufgenommen werden soll. Details dazu in einem anderen Post.

In der Regel arbeiten wir hier in Deutschland mit einer Framerate von 25p. D.h. 25 Bilder pro Sekunde ergeben unseren Film. Damit ist klar, dass unsere Verschlusszeit 1/50 sein sollte, also das Doppelte. Das ist der Idealfall. Warum? Als erstes Kriterium ist wichtig, dass es ein Vielfaches von 25 ist. Somit vermeiden wir störendes Flimmern von Lampen und Lichtern. Genau das Doppelte sollte es sein, da wir dadurch einen sehr natürlichen Bewegungseindruck erhalten. Wenn wir uns kurz an die Verschlusszeit und deren Bewegungsunschärfe erinnern, wissen wir, dass bereits bei 1/25 in der Regel, bei normalen Bewegungen, schon eine Unschärfe auftritt. Bei 1/50 definitiv weniger. Bei 1/100 noch weniger, doch dabei würden wir ¾ des Bewegungsablaufes im Film rauschneiden. Das in Textform zu erklären ist etwas schwierig.

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Bei einer Framerate von 25p und einer Verschlusszeit von 1/25 decken wir jeden Moment einer Bewegung ab.

Bei einer Framerate von 25p und einer Verschlusszeit von 1/50 decken wir die Hälfte der Bewegung ab. Für jedes Einzelbild, welches 1/25 einer Sekunde einnimmt, nehmen wir 1/50 einer Sekunde auf. Die Hälfte.

Bei einer Framerate von 25p und einer Verschlusszeit von 1/100, nehmen wir für jedes Einzelbild nur noch ¼ der Sekunde und der Bewegung auf. ¾ gehen also verloren

Bei 1/25 Verschlusszeit ist die Bewegungsunschärfe deutlich zu sehen und stört. Verkürzen wir um die Hälfte auf 1/50, ist die Bewegungsunschärfe zwar immer noch zu bemerken, durch unser Sehempfinden und der Trägheit des Auges, nehmen wir das jedoch als sehr natürlich war. Verkürzen wir wiederum auf 1/100 oder noch weiter auf zb 1/200 sehen wir nur noch bei sehr schnellen Bewegungen eine Unschärfe, doch wir nehmen der Bewegung gleichzeitig Zeit weg. Dadurch kann unser Bild anfangen zu Ruckeln. Der Bewegungsunterschied von Bild 1 und Bild 2 der Filmsekunde ist so groß, das wir keine flüssige Bewegung wahrnehmen können.

Diese Filmbeispiele sollen das visualisieren.

Die Verschlusszeit beim Film ist also immer im Zusammenhang mit der Framerate fix. Ein Parameter zur Belichtung unseres Bildes fällt schon mal weg. Es bleiben die Blende und der ISO Wert. Diese funktionieren genau gleich wie bei der Fotografie. Es gilt zu Wissen, welche ISO-Werte akzeptabel sind. In der Regel versucht man den ISO Wert bei der Fotografie, als auch beim Film so niedrig wie Möglich zu halten. Deshalb ist beim Film die Blende unsere wichtigstes Werkzeug!

Nun ist auch verständlich, warum die teuren Filmoptiken oder die günstigere Variante der Walimex VDSLR Variante* sehr oft mit einem kleinen Blendenwert ausgestattet sind. Wer viel Licht durch die Blende bekommt, hat beim Film einen großen Vorteil!

Nun aber raus an die Kameras und selbst ausprobieren! Die Serie Grundlagen der Kamera ist mit dem Thema 5 vorerst abgeschlossen. In den nächsten Posts wird es nun um technische Grundlagen des Filmes gehen, wie die bereits angesprochene Framerate, oder ich stelle euch Equipment vor, schreibe über das Thema Licht, oder oder oder…

Es gilt weiterhin, Schritt für Schritt und nicht von 0 auf 100 in 6 Sekunden, wenn es um die Erweiterung des Wissen geht.

Cheers, Simon

 

Literatur zum Thema:

Digitale Fotgrafie, Scott Kelby*

Raus aus der Automatik, Bernd Lehnert*

Das Equipment mit dem fotografiert wurde:

Sony a7s (Nachfolger a7s II)*

Walimex 50mm 1.5 EF*

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